Passt, Dickie?

Möchte man sich an unseren Esstisch setzen, muss man sich zu dem Stuhl hinten links ein bisschen durchquetschen, weil es da echt eng ist.
Da das der Platz von meinem Vater ist, ist er immer derjenige, der den Bauch einziehen muss (und ich sollte erwähnen, dass er eine völlig normale Figur hat, damit hier niemand eingeschnappt ist).
Dara: Na, kommst du durch, Dickie?
Papa: Dickie? Ich glauben du spinnst!
Dara: Wusstest du, dass Dickie bei Loriot nie offiziell definiert war, ob Junge oder Mädchen?
Ich: Ja! Aber es war eigentlich ein Mädchen.
Papa: Kennt ihr die Szene aus ‘Weihnachten bei den Hoppenstedts’ in dem Spielzeugladen wo der Opa gefragt wird, wie alt Dickie denn sei und er die Hand brusthoch hält und sagt ‘So!’?
Ich: Ja! Und wo er gefragt wird, ob Junge oder Mädchen und er sagt ‘Es hat alles was ein Kind braucht! Ein Dach überm Kopf und eine Familie!’
Dara: Oh Mann, was mir zu Dickie einfällt: Bei TKKG heißt einer Klößchen, weil der so dick ist.
Papa: Mutti, kennst du TKKG?
Oma: Tiefkühlkost…?

Rebellen

Auf irgendeine Art ist jeder ein bisschen Rebell.
Im Museum eine Statue trotz “Bitte nicht berühren”-Schild anfassen.
Den Hund frei laufen lassen, obwohl man ihn anleinen sollte.
Auf das Handy lugen, auch wenn Handyverbot in der Küche herrscht (es ist bei uns etwas ausgeartet, man ist der Meinung, die Kinder seien alle handysüchtig und man müsse diesen Konsum unterbinden)
In der Fastenzeit doch etwas Schokolade snacken – in diesem Fall nicht ich, da bleibe ich gut konsequent.
Oder aber mit 32km/h in der 30er Zone brettern. Zitat Dara.

Sie hat nämlich seit Januar den Führerschein und ist – wie jeder Fahranfänger neunmal klug. Okay, also ich konnte mich noch genau eine Woche nach der Theorieprüfung an die Theorie erinnern und habe fleißig zitiert, bis ich einfach alles wieder vergessen habe. Es fährt doch sowieso jeder nach dem Motto “Der Andere hat auch ‘ne Bremse” – wozu werden überhaupt Vorfahrtsregeln gebraucht? Völlig überbewertet.
In ihren Augen rebelliere ich auch ziemlich mit meinen Fahrkünsten.

Dara: Also Dodo, ich habe Angst mit dir zu fahren.
Ich: Bitte?
Dara: Du fährst sehr wild.
Ich: Konkret bitte was?
Dara: Schau, wenn du in den Kreisverkehr fährst, da schaust du gar nicht richtig wer in den Kreisel reinfährt.
Ich: Sicher.
Dara: Ja, aber es wäre besser, wenn du einfach anhälst und dir ein Bild machst.
Ich: Aber wenn ich doch sehe, dass einer rechts von mir oder gegenüber reinfährt, dann kann ich ohne Probleme weiterfahren. So funktioniert das doch reibungslos.
Dara: Ich würde dir Stehenbleiben aber trotzdem empfehlen. Und auf der Autobahn: Du musst nicht so schnell fahren. Das ist eh schlecht fürs Auto – ganz zu schweigen von der Umweltbelastung. Hundertzehn oder -zwanzig reichen. Und Rechtsfahrgebot! Du solltest immer rechts fahren.
Ich: Ach Quatsch – ich dachte, wir hätten hier Linksverkehr.
Dara: Auf der Autobahn!
Ich: Also nicht überholen oder was ist der Vorschlag?
Dara: Nur wenn nötig. Ach ja, und du machst zu selten den Schulterblick. Den solltest du öfter machen.

Und so weiter. Da hatte ich gerade meinen Vater von der Backe, der sich maximal angespannt neben mir in möglichst neutraler Haltung am Haltegriff festgehalten hat, und schon belehrt mich Dara eines Besseren.

Ich sehe schon, ich bin wohl echt am Rebellieren. Was soll bloß aus mir werden.

Aber mittlerweile habe ich auf Dara abgefärbt und sie ist neulich für mich – weil ich schobn 20 Minuten am Bahnhof stand und gewartet habe – “Mit 32 km/h durch der 30er Zone gebrettert”.  Die kleine Rebellin.

Rowdys unterwegs

Dara und ich gehen manchmal so richtig in der Pampa verloren. Das alles natürlich nur Boots zuliebe, damit sie wild rumrennen, Hasen jagen oder nach Maulwürfen graben kann, überhaupt nicht ausgelastet wie immer. Neulich sind Dara und ich also in einem Feld-/Wald-/Sumpfgebiet unterwegs gewesen.
Ich: Dara, wo steht das Auto?
Dara: Mmh, also ich würde jetzt noch was weiter geradeaus und dann irgendwann links. Da bei dem Busch links. Dann geradeaus zurück und irgendwann nochmal was links und danach rechts und da müsste das Auto stehen.
Und weiter ging’s. Über Felder, im Sumpf, durch Büsche – Boots war der glücklichste Hund der Erde – und plötzlich standen wir vor einem unendlich langen Zaun.
Ich: Dari?
Dara: Links! Wir gehen links runter.
Ich: Am Zaun entlang? Ich glaube nicht, dass der Zaun überhaupt endet. Ist das da nicht Industriegebiet?
Dara: Yolo, Hashtag, Yolo!
Ich: Das ist eh die beste Begründung!
Dara: Wie war das? Alle Wege führen nach Rom!
… oder zum Auto.

Quarterbackclan

Neulich war ich mit R. und C. in einem Café was trinken. An dem Tisch neben uns saßen fünf Typen, die alle ziemliche Kanten waren, und einfach nicht richtig in die Sitze passen wollten. Ich lehnte mich zu den beiden rüber.

Ich: “Schaut euch die Quarterbacks an.”
C.: “Woher weißt du das?”
Ich: “Das sieht man doch.”
C.: “Echt?”
Ich: “Na klar, schau dir doch breiten Kreuze an.”
C.: “Du kannst anhand des Rückens sagen, ob sie schwul sind?”
Ich: “Wie bitte?”
C.: “Hast du doch gerade gesagt.”
Ich: “Bitte?”
C.: “Du hast gesagt, ‘Schaut euch die Quarterbacks an’ “
Ich: “Du weißt, was Quarterbacks heißt, oder?”
C.: “Sie sind schwul.”
Ich: “Hahahaha, nein, nein, Quarterback beschreibt den Körperbau, sie sehen aus wie ein Schrank. Nicht schwul.”
C.: “Oh.”

Vorweihnachtliche Vorfreude

Chinesen feiern kein Weihnachten und kein Neujahr. Das wusste ich gar nicht. Aber man lernt ja nie aus und gegen unsere Weihnachtsdeko hatten sie auch nichts. R. dachte sich nämlich, dass ein paar Weihnachtslichter in der Wohnung prima aussehen würden: Von zuhause hatte er einen leuchtenden Weihnachtsstern mitgebracht und hier hatten wir uns noch eine Lichterkette gekauft. Da wir aber in der WG keine Nägel haben und wir sowieso arme Studenten sind, haben wir das Kabel vom Stern an der weißen Wand mit grauem Panzertape befestigt. Wenn das große Licht aus war und nur der Stern geleuchtet hat, fiel das gar nicht mehr so sehr auf.
An die Markise vom Balkon hatten R. und ich die Lichterkette gehängt. Weil C. von allem super schnell begeistert ist, hatte ich an ihr Fenster geklopft, um ihr die Lichter zu zeigen. “WOOOOOOOOOW! Did you just place it there? It’s so Christmas. I LOVE THAT!”
Bevor ich über die Weihnachtstage zu meinen Eltern fuhr, wollte ich R. und C. eine Kleinigkeit schenken. Für C. habe ich einen Beutel genäht und auf ein paar Schnipsel einige persönliche Worte geschrieben, damit sie jeden Tag ein bisschen Liebe und Motivation hat. Als ich noch an dem Geschenk bastelte, traf ich sie zwischendurch in der Küche an:
Ich: C., ich mache gerade dein Geschenk!
C.: Wooooow! Wann kriege ich es?
Ich: Hm, ich denke, ich bin so in zwei Stunden fertig.
C.: Darf ich es schon sehen?
Ich: Dann ist es ja keine Überraschung mehr.
C.: Das macht nichts, ich möchte es schon sehen. Wow! Weihnachten! Geschenke! Ich fühle mich so europäisch!
Also gingen wir in mein Zimmer und ich zeigte ihr ein Stück Stoff.
C.: ES IST WUNDERSCHÖN!
Ich: Jetzt warte doch erstmal ab.
C.: Okay, okay, ich lasse dich jetzt. Boah bin ich gespannt!
Nach einer halben Stunde klopfte es an meiner Tür und C. kam rein, weil sie eine Frage zum Studium hatte. Allerdings lag der Beutel mit ihrem Namen auf dem Schreibtisch und nach ein paar Minuten bemerkte sie ihn.
C.: Das ist es? Ist das toll! Ich freue mich so! Weihnachten! Weihnachten!
Und sie wuselte wieder aus meinem Zimmer.
Als ich es dann fertig hatte und ihr brachte, freute sie sich natürlich einen Keks.
Ich: Bis du es dir anschaust, musst du aber noch bis zum 24. warten.
C.: Das kann ich nicht!
Ich: Come on, das sind noch vier Tage.
C.: Ich muss es jetzt wissen.
Ich: …
C.: Oder nein, besser: Ich schaue es mir morgen früh an, dann habe ich etwas, worauf ich mich die ganze Nacht freuen kann.
Ich: Ja gut, dann so. Schlaf gut, C.

Ich lag schon in meinem Bett, als es an meiner Tür klopfte.

Ich: Ja!
C.: Doreen, ich habe ja kein Geschenk für dich. Aber schau mal, drei ist in China eine Glückszahl, es ist zwar nichts besonderes, aber hier:
Sie kam an mein Bett und hielt mir die Hand mit drei Ricola-Hustenbonbons hin.

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In der Pampa

Die Woche waren wir in Bayern.
Ich habe Dara auf dem Bauernhof besucht und mir ihre Arbeit angeschaut. Um ehrlich zu sein, ich bin etwas gescheitert.

Erstens, es gab in dem Ort – Ort ist gut, da standen vier Häuser und ein Bäcker – partout kein Netz.

Zweitens, alles hat nach Mist gerochen.

Und drittens, ich habe Angst vor Gänsen. Die schauen aber auch schon so böse, wenn man mit Futter ankommt.

Apropos Futter, ich habe Dara beim Füttern geholfen: Wir haben eine Schubkarre mit Futter und Heu für die Schafe, Gänse und Rehe beladen. Mit einer Schaufel sollte ich dann abwechselnd rechts und links das Futter im Gehege verteilen, während Dara die Schubkarre schob. Das ist allerdings insofern schief gelaufen, dass ich die Schafe immer mit Futter abgeworfen habe, statt es auf den Boden zu streuen. Aber gut, dann haben die Rehe ihnen eben vom Rücken gegessen. Auch eine Option.

Es war trotzdem sehr amüsant auf dem Hof. Da gab es sechs eigensinnige Hunde, die so wild waren, dass es echt schwer war, mit ihnen auszugehen. Einer ist zu achtzig Prozent Wolf und hat so was von dermaßen Kraft, dass er den fünfzehnjährigen Praktikanten regelrecht hinter sich her quer durch den Wald gezogen hat.
Und wenn wir Pause gemacht haben, zogen alle ihre Handys aus den Taschen und fingen an zu texten. Außer ich, denn nur ich hatte kein Netz. Oder wenn, dann nur so schlechtes Netz, dass es noch nicht mal eine Nachricht verschickt hat. Das war durchaus deprimierend, aber ich habe es ganz gut ausgehalten, zwei Tage lang keinen Kontakt mit der Außenwelt zu haben. Dafür hatten die da drei Babykatzen, das hat es dann wieder wett gemacht.

Den Tag drauf waren wir bei meiner Oma und meine Mutter hat uns gebeten, den Tisch zu decken.
Mama: Könnt ihr bitte den Tisch decken.
Dara: Wir haben aber gestern den ganzen Tag gearbeitet. Das war voll anstrengend mit der Doreen an der Backe.
Ich: Ja danke auch.
Mama: Toll, ich habe schon 30 Jahre gearbeitet. Tisch decken! Zack zack!

How to

Autofahren ist immer noch Wust. Es wird zwar von Fahrt zu Fahrt besser, aber würde man meinen Vater bei der Fahrt aufnehmen, könnte man meinen, ich würde wie am Anfang der Fahrstunden fahren.

Papa: Also, wenn du jetzt noch geschmeidiger hochschalten würdest.
Ich: Papa, ich gebe mein Bestes, es will nur noch nicht so ganz.
Papa: Es ist wie eine Wippe, Kupplung langsam kommen lassen -
Ich: Ich weiß doch.
Papa: – und gleichzeitig ein bisschen Gas dazu.
Ich: Ja, ja, ich probiere es.
Papa: So war gut, toll!
Ich: Das mache ich doch sonst auch so.
Papa: Gerade aber nicht.
Ich: Boah.
Papa: Du weißt, wie schnell du fährst?
Ich: Ja.
Papa: 150.
Ich: Ich weiß.
Papa: Also mittlerweile vertraue ich dir ja, dass du die Kontrolle hast.
Ich: Danke auch.
Papa: Nicht so weit da rüber.
Ich: Ich bin überhaupt nicht nah da dran.

Ich: Sag mal, hälst du dich da gerade fest?
Papa: Ich?
Ich: Ja?
Papa: Nee, nee.
Ich: Und was macht dein Arm dann da?
Papa: Ach, das ist einfach nur bequem.