Von der 11. Klasse, Bettheizungen und Gartenhäusern

Hallo ihr lieben am anderen Ende der Welt,
mir geht es soweit prima. Der Flug war lang, sehr lang, 21 Stunden und etwas kompliziert, denn es gab pro Flug 2 oder 3 Kontrollen, ich musste 2 mal umsteigen, also könnt ihr euch vielleicht vorstellen, wie oft ich meinen Pass, meinen Laptop und den Inhalt meiner Hosentaschen schnell rauskramen musste, um durch die Kontrollen zu kommen, und das ganze eben so schnell wieder einzupacken, damit ja kein Stau entsteht.
Wie auch immer, ich bin da, seit Mittwoch. Es ist echt total anders hier, die Stadt sieht aus wie eine Schrebergarten-Siedlung, denn die meisten Häuser sehen aus wie Gartenhäuser und sind zudem auch noch einstöckig. Es ist linksverkehr, das macht das Straßenüeberqueren nicht gerade leicht. Und es ist kalt in den Häusern, denn: Es gibt nur eine einzige Heizung für das ganze Haus. Wirklich kalt im Rest des Hauses, denn die Wärme reicht nur bis ins Wohnzimmer (dort ist die Heizung) und die Küche. Der Rest ist relativ kalt, aber es gibt eine Bettheizung. Das ist echt klasse, man schaltet sie einfach kurz vorm Schlafengehen, putzt solange die Zähne, duscht und zieht den Schlafanzug an, und wenn man dann ins vorgeheizte Bett geht mit den 4 Decken… warm, warm, warm. Echt eine tolle Erfindung, diese Bettheizung.

Meine Gastfamilie ist richtig nett. Wer nicht weiß, wie sie aussieht, für den ist hier nochmal eine Beschreibung:
Meine Gasteltern Johnny (Jonathan) und Sharon sind jeweils aus erster Ehe geschieden und haben daher ihre Kinder. Johnny hat eine 5-jährige Tochter Lillie. Sharon hat zwei Söhne, Ethan, 18, und Tom, 15. Lillie und Tom wohnen am Wochenende bei uns und Ethan kommt abundzu mal vorbei.
Lillie ist sehr extrovertiert, aufgeschlossen, offen und laut! Sie ist total lieb, mag pink (sie trägt nichts anderes) und ist ein Frühaufsteher. Frühaufsteher. Heißt: Um 4, 5 oder 6 Uhr morgens ist sie wach. Johnny und Sharon haben ihr gesagt, dass sie mich und Tom nicht wecken soll, sobald sie auf ist. Tut sie auch nicht, sie kommt jedenfalls nicht in unsere Zimmer. Aber sie trampelt quer durchs Haus, geht auf die Toilette (die direkt gegenueber von meinem Zimmer ist, und da sie die Tür nicht schließt, wenn sie das Licht anmacht, werde ich wunderbar geblendet), singt vor sich hin oder redet mit ihren Puppen. Aber zum Glück ist sie nur am Wochenende da und weckt mich so nicht unter der Woche, wenn ich Schule habe, schon um 6.
Tom ist nett, ich verstehe mich gut mit ihm. Und Ethan habe ich bisher nur 3 mal mehr oder weniger kurz gesehen, deshalb kann ich nur sagen, dass er auch nett ist.
Heute hatte ich meinen ersten Schultag. War nicht so der Bringer, fand ich. An meiner Schule sind ca. 30 Internationale, davon sind 21 (!!!) deutsch. Aber ich habe „Glück“ denn in meiner Stufe sind nur 2 Deutsche. Denn: Ich bin im Gegensatz zu dem Rest noch in der 11. anstatt der 12. Klasse, weil ich noch 15 bin. Das ist echt oberfies, denn alle diejenigen, die ich heute kennengelernt habe gehen überwiegend in die 12., so werde ich so gut wie nichts mit ihnen zu tun haben. Jeder Internationale bekommt einen Buddy, eine Art Paten, der die ersten Paar Tage mit einem rumzieht und einem alles zeigt und so. Abby, mein Buddy, ist ganz nett. Heute und morgen sind noch die Einführungstage, erst am Mittwoch beginnt der Unterricht. Leider musste ich feststellen, dass es irgendwie doch keine Fotografie an meiner Schule gibt, was sehr enttäuschend ist, denn darauf habe ich mich besonders gefreut. Dazu kommt, dass Sharon glaubt, dass meine Fächer nicht alle nur aus dem künstlerischen Bereich bestehen dürfen, was auch sehr doof ist. Denn ich habe ausschließlich Fächer aus diesem Bereich ins Visier genommen: Kochen, Grafik-Design und Textil-Design. Aber wir werden sehen, was ich nehmen darf und was nicht.
Meine Gastmutter bringt mich morgens zur Schule, weil ihr Friseursaloon, in dem sie arbeitet, eine Straße weiter ist. Nachmittags fahre ich mit dem Bus zurück oder ich gehe in ihren Saloon und fahre später mit ihr heim. Das Busfahren ist total praktisch, denn das Busticket ist eine Karte, die man wie eine Prepaid-Karte fürs Handy benutzt. Man lädt sie mit 10 oder 20 $ auf und jedes Mal, wenn man den Bus benutzt, wird etwas abgebucht. Praktisch!

Übrigens muss ich eine Schuluniform tragen. Äußerst adrett (das war Ironie, sie ist schrecklich). Ein langer (!!!) Schottenrock, dazu eine weiße Bluse, über die man einen navy-blauen Pullover trägt und über dem einen navy-blauen Fleece-Pulli. Dazu navy-blaue Strumphosen und schwarze Ballerinas, die das einzige Schöne an dieser Uniform sind.
Im Grunde ist es ganz okaz hier, besonders meine Gastfamilie ist prima. Die beiden Katzen, die sie haben, sind süss. Eine hat totale Angst vor mir und rennt sofort weg, wenn ich nur die Hand hebe, und die andere zieht mich jedem anderen Familienmitglied zum Schmusen vor.
Ich bin schon wieder totmüde, und das schon um halb acht Uhr abends um diese Zeit. Aber ich muss noch meine Fächer wählen für morgen.

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Ein Kommentar zu „Von der 11. Klasse, Bettheizungen und Gartenhäusern

  1. Hallo Doreen,
    dein Blog wird immer schöner. Ich sehe du arbeitest im Moment daran, denn jedesmal wenn ich auf aktualisieren gehe hast du schon wieder eine neue Seite angefügt…

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