Antiquariat privat

In unserem Haus stapeln sich die Kisten. Mein Vater war der Ansicht, alte Sachen von meiner Oma mit herzubringen und durchzustöbern. Ich meine, er ist ja quasi ursteinalt – nichts für ungut – und hat Zeug aus dem letzten Jahrhundert, das ich überhaupt nicht mehr kenne. Natürlich ist das alles durchaus spannend und antik, aber mal im Ernst, hallo moderne Welt! Meine Güte, seine Diplomarbeit hat er komplett auf der Schreibmaschine getippt. Wenn da auf einer Seite mal ein Tippfehler war, musste die komplett neu abgetippt werden. Oder Fotos: um sich die anzuschauen, mussten die Diastreifen durchgeschnitten und in einen Projektor gesteckt werden. Das kann ich mir zwar vorstellen, aber trotzdem ist das schon so ein richtiges Aha-Erlebnis, dass es früher viel mehr Arbeit bedurfte um irgendetwas zu machen, das für mich heute easypeasy ist.
Mein Vater hat einfach alles aufbewahrt. Also gefühlt. Gestern hat er zwei Umzugskisten mit alten Studienunterlagen weggeworfen. Dann hat er noch eine ganze Kiste mit Briefen aufbewahrt, die er sich gerade alle durchliest.
Und irgendwo flog eine alte Zeitung rum mit Werbung für einen Taschenrechner, der dick war wie ein Backstein, wesentliche Grundfuktionen hatte und 250 Mark kostete.
Mein persönliches Highlight: eine Computerzeitung von 1998 über die Anfänge des Internets und einen Artikel über das beste Handy auf dem Markt. Zitat:
„Nokias 6110 für rund 970 Mark ohne Karte. Fünf Zeilen Text, zum Beispiel als Sms-Nachricht, passen in sein Display. Nicht lebenswichtig, aber sehr unterhaltsam ist das Spaß-Feature, das kein anderes Handy bietet: Memory, Snake und Logic heißen die Spielen die auf dem Nokia nebenbei gedaddelt werden können.“
Gerade drückt mir Papa noch eine Fernsehzeitung von ’74 in die Hand. Zwei Programme, von 16 Uhr bis 20 Uhr. Und da gab es schon die Maizelmännchen, den rosaroten Panther und die Sendung mit der Maus. Ich bin entzückt.

Geschrieben mit WordPress für Windows Phone

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3 Kommentare zu „Antiquariat privat

  1. Jaja. Damals… da musste man noch konzentriert an seiner Diplomarbeit tippen. Und Fotos hat man nicht nur nicht so viele gemacht, weil es keine Speicherkarten gab, man hätte die auch gar nicht aufheben können. Und stell Dir vor, 1000 Bilder auseinanderschneiden und in Diarahmen pressen. Möglicherweise hat man da schon beim fotografieren genauer hingeschaut, was lohnenswerter ist.
    Klingt als sei früher alles besser gewesen. Nee, nee. Ich liebe große Fotodatenbanken. Und wenn ich dran denke, wie oft ich mich gerade verschrieben habe und das auf einer Schreibmaschine…

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