Vorweihnachtliche Vorfreude

Chinesen feiern kein Weihnachten und kein Neujahr. Das wusste ich gar nicht. Aber man lernt ja nie aus und gegen unsere Weihnachtsdeko hatten sie auch nichts. R. dachte sich nämlich, dass ein paar Weihnachtslichter in der Wohnung prima aussehen würden: Von zuhause hatte er einen leuchtenden Weihnachtsstern mitgebracht und hier hatten wir uns noch eine Lichterkette gekauft. Da wir aber in der WG keine Nägel haben und wir sowieso arme Studenten sind, haben wir das Kabel vom Stern an der weißen Wand mit grauem Panzertape befestigt. Wenn das große Licht aus war und nur der Stern geleuchtet hat, fiel das gar nicht mehr so sehr auf.
An die Markise vom Balkon hatten R. und ich die Lichterkette gehängt. Weil C. von allem super schnell begeistert ist, hatte ich an ihr Fenster geklopft, um ihr die Lichter zu zeigen. „WOOOOOOOOOW! Did you just place it there? It’s so Christmas. I LOVE THAT!“
Bevor ich über die Weihnachtstage zu meinen Eltern fuhr, wollte ich R. und C. eine Kleinigkeit schenken. Für C. habe ich einen Beutel genäht und auf ein paar Schnipsel einige persönliche Worte geschrieben, damit sie jeden Tag ein bisschen Liebe und Motivation hat. Als ich noch an dem Geschenk bastelte, traf ich sie zwischendurch in der Küche an:
Ich: C., ich mache gerade dein Geschenk!
C.: Wooooow! Wann kriege ich es?
Ich: Hm, ich denke, ich bin so in zwei Stunden fertig.
C.: Darf ich es schon sehen?
Ich: Dann ist es ja keine Überraschung mehr.
C.: Das macht nichts, ich möchte es schon sehen. Wow! Weihnachten! Geschenke! Ich fühle mich so europäisch!
Also gingen wir in mein Zimmer und ich zeigte ihr ein Stück Stoff.
C.: ES IST WUNDERSCHÖN!
Ich: Jetzt warte doch erstmal ab.
C.: Okay, okay, ich lasse dich jetzt. Boah bin ich gespannt!
Nach einer halben Stunde klopfte es an meiner Tür und C. kam rein, weil sie eine Frage zum Studium hatte. Allerdings lag der Beutel mit ihrem Namen auf dem Schreibtisch und nach ein paar Minuten bemerkte sie ihn.
C.: Das ist es? Ist das toll! Ich freue mich so! Weihnachten! Weihnachten!
Und sie wuselte wieder aus meinem Zimmer.
Als ich es dann fertig hatte und ihr brachte, freute sie sich natürlich einen Keks.
Ich: Bis du es dir anschaust, musst du aber noch bis zum 24. warten.
C.: Das kann ich nicht!
Ich: Come on, das sind noch vier Tage.
C.: Ich muss es jetzt wissen.
Ich: …
C.: Oder nein, besser: Ich schaue es mir morgen früh an, dann habe ich etwas, worauf ich mich die ganze Nacht freuen kann.
Ich: Ja gut, dann so. Schlaf gut, C.

Ich lag schon in meinem Bett, als es an meiner Tür klopfte.

Ich: Ja!
C.: Doreen, ich habe ja kein Geschenk für dich. Aber schau mal, drei ist in China eine Glückszahl, es ist zwar nichts besonderes, aber hier:
Sie kam an mein Bett und hielt mir die Hand mit drei Ricola-Hustenbonbons hin.

Geschrieben mit WordPress für Windows Phone

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