Yes, you may leave

Papa, Dara und ich waren im August spontan in Mailand im Urlaub. Hier war es uns zu kalt und zu langweilig, also sollte ein Flug nach Wien gebucht werden. Da aber eigentlich jeder woanders hinwollte, schlug meine Mutter Blind Booking vor. Eine durchaus spaßige Variante, wenn man sich nicht einigen kann. Während Papa unbedingt nach Wien wollte, sammelte Dara Argumente für Barcelona. Ich hingegen hatte erst vor einigen Tagen ein paar ältere Iren auf Städtetour interviewt und war von Dublin recht angetan. Blind Booking schlichtete den Streit kurzerhand und es ging auf nach Mailand.
Mailand ist eine wirklich schöne Stadt, wenn man sich die richtigen Ecken anschaut. Wir waren unglaublich viel zu Fuß unterwegs. Am Abend tippten wir immer, wie viele Schritte Papas Handy wohl gezählt hatte. 15.000 Schritte direkt am ersten Tag. Das war Handy- und unser persönlicher Rekord. Zwei Tage später knackten wir auch die 15.000-Schritte-Grenze, als wir an der Stadtgrenze nach einer Eisdiele suchten. Kurz vor Ladenschluss erreichten wir die winzige Eisdiele und gönnten uns je drei Kugeln Eis. Ich würde glatt behaupten, dass sogar der beste Eisladen bei uns in der Stadt nicht ansatzweise so gutes Eis macht wie dort in Italien. Aber vielleicht war es auch nur das typische Urlaubsphänomen: Baguette schmeckt nur in Frankreich, Frikandel ausschließlich in den Niederlanden und Fish & Chips mit Vinegar am besten in Großbritannien.
Die Pinakothek, die Museen, die Einkaufsstraßen und die Cafés an dem Kanal waren wirklich irre. Was aber noch viel irrer war, waren die Preise im Zentrum: Als wir am ersten Tag hungrig vom Flughafen in der Stadt ankamen und nach Essen suchten, fanden wir nur ein einziges Café mit halbwegs akzeptablen Preisen. Trotzdem sind 37€ für drei halbe Toasts und drei Cappuccino ziemlich happig.
Das einzige, dem man nicht entgehen konnte, waren die ewigen Händler, die sich den Touristen aufdrängten. Schon nach zwei Tagen waren wir so genervt, dass wir nicht mehr höflich ablehnten, sondern nur noch die Hand vor die Rosen, Armbänder oder das Vogelfutter hielten und weiterliefen.
An einem Abend saßen wir in einer Pizzeria in einem weniger touristischen Viertel, aber trotzdem verirrte sich schon der dritte Rosenhändler an unseren Tisch. Als der Vierte zu uns kam und Dara eine rote Rose unter die Nase hielt, streckte Papa ihm sein Handy ins Gesicht. Der Mann trat einen Schritt zurück und schaute auf das Display.
„No roses?“, fragte der Mann.
„No, thanks“, antwortete Papa und legte sein Handy auf den Tisch.
„Okay -“
„Yes, you may leave“, sagte Papa und der Mann drehte sich tatsächlich zum nächsten Tisch um. Dara und ich schauten ihm fragend nach.
„Hier, das habe ich eben gemalt“, er schob uns das Handy hin. Wie auf einem ‚Rauchen verboten‘-Schild war auf seinem Display eine durchgestrichene Rose zu sehen.

„Papa, das ist sehr, sehr schlau.“

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