Wer bist du denn?

Vier Personen, vier Teller. Ich ziehe aus, meine Oma zieht ein. Easy.
Es muss nicht weniger oder mehr gekocht werden, nur öfters mal vegetarisch.
Wie meine Eltern habe aber auch ich meine Eigenarten beim Kochen. Während meine Mama sich einfach irgendwas ausdenkt und Rezepte so abwandeln kann, dass die Zutaten, die wir noch daheim haben, verarbeitet werden, hält sich mein Papa grundsätzlich ans Rezept. Ist etwas nicht im Haus, fährt er am liebsten in die Metro. Bekanntlich sind die Augen ja größer als der Magen, das trifft zumindest beim Einkaufen auf meinen Papa zu, vielleicht liegt es aber auch an der Größe der Lebensmittel, die es in der Metro zu kaufen gibt. Antipasti? Im vier Kilo Glas. Fenchelsalami? Am Stück, 500 Gramm. Gouda? Der ganze Laib direkt aus den Niederlanden importiert. Einmal alles bitte, danke. Bis auf den Gouda hat er wirklich schon so einiges mitgebracht. Wieso sich mein Papa aber beim Kochen dann immer leicht verkalkuliert, ist mir schleierhaft. Für jeden gibt es etwa eine kleine Hühnerbrust und eine halbe Kartoffel, dafür aber einen riesigen Salat aus einem Kopf Eisbergsalat, einer Salatgurke, zwei Handvoll Cocktailtomaten, einem Bund Radieschen und drei Paprika in rot, gelb und grün – allerdings ohne Dressing, das ist nun doch wieder eine Kunst für sich.

Meine Fähigkeiten reichen von Omelette über Feldsalat zu Ratatouille. Da hört mein Rezeptehorizont auch schon auf und die Suche nach Inspiration gestaltet sich als umständlich. Nudeln, Reis, Kartoffeln. Dazu Gemüse – was haben wir im Kühlschrank? Salat, Gurke, Tomaten, Zucchini, Aubergine, Pilze. Dann denke ich nach, mache mir einen Tee und überfliege Rezepte. 70 Prozent der Zutaten sind nicht da und eigentlich möchte ich auch die Sachen verwenden, die wir haben. Also heute Reis mit Zucchini, Tomaten und Joghurt. Manchmal sehne ich mich selbst nach dem Lieblingsessen von meinem Vater: Pellkartoffeln mit Hering. Wenn es nach ihm ginge, würde es zwei Mal die Woche auf den Tisch kommen. Doch in der Küche ist meine Mama Chef und damit zurück zum eigentlichen Thema: Vier Personen, vier Teller. Und wenn ich dann mal alle sechs Wochen nach Hause komme, immer die große Frage: „Was möchtest du am Wochenende essen, Kind?“

„Weinblätter, Tafelspitz mit Meerrettich, Spaghetti Bolognese, mir egal, Mama“.

In den Semesterferien war es also wieder so weit und während ich mit Dara allen möglichen Gossip austauschte, stand meine Mutter in der Küche und kochte Mir egal, Mama. Schließlich rief mein Vater zum Essen: „Doreendaramutti: Es gibt Essen!“
Fünf Personen, vier Teller.
„Mama, esse ich nicht mit?“
„Hm? Oh! Hab ich deinen Teller vergessen?“
Nach zwanzig Sekunden dann: Fünf Personen, fünf Teller mit einem vorzüglichen Mir egal, Mama.

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