I’m sorry for what I said when I was hungry

Nachts kommt der Hunger. Vor allem, wenn man einen langen Tag und kein Abendessen hatte. Manchmal ist man einfach so beschäftigt, dass man das Essen vergisst oder das Hungergefühl nicht bemerkt. Beispielsweise wenn man in der Stadt unterwegs ist und ein tolles Kleid nach dem anderen anprobiert, Lippenstiftfarben testet oder Ohrringe vergleicht. Oder aber fünf Stunden mit einer Freundin quatscht und drei Kaffee trinkt. Oder vielleicht sieben Folgen Sherlock am Stück schaut. Kann ja mal passieren. Upsi.
Und dann bemerkt man plötzlich wie laut der Magen knurrt. Jetzt einen Döner. Einen Toast schaffe ich auch. Dazu Salat? Joghurt? Mangosorbet. Gegrillte Paprika. Bananenpfannkuchen. Sushi. Chinanudeln. Schokopudding. Da könnte ich alles essen. Und mit alles meine ich wirklich alles. Da habe ich so einen Hunger, dass ich mir sicher bin, alles, worauf ich gerade Appetit habe, auf einmal essen zu können. Ohne Diabetes Typ 26 zu bekommen.
Aber Dara und ich können uns grundsätzlich beide total in Dinge hineinsteigern. Etwa halb zwölf Uhr abends. Dann liegen wir eigentlich schon in unseren Betten und plötzlich kommt eine SMS von Dara: Dodo, ich habe Hunger. Treffen wir uns in der Küche? Dann antworte ich: 27 Sekunden? Chinanudeln? Und wir treffen uns zum Mitternachtssnack. Natürlich haben wir fast nie Chinanudeln da, außer Mama war eben mal beim Asiaten einkaufen. Das ist aber eher die Ausnahme und da stehen Dara und ich dann mit einem Bärenhunger und suchen Essbares. Es kommt wie es kommen muss, nichts im Haus, das in zwei Minuten zubereitet ist. Also gibt es entweder Brot oder Reste vom Mittagessen. Nur haben wir meistens keine Reste mehr da oder es ist eine jener Kreationen, die man nicht isst, wenn auch nur ansatzweise etwas Leckereres im Kühlschrank ist. Sind Dara und ich mal wirklich lange unterwegs, ist das eigentlich immer der Fall.
Neulich war ich mit einer Freundin in der Stadt und Dara hat mich auf dem Rückweg vom Schauspiel mitgenommen. Da fing es an: Dara hatte Hunger. Also sind wir auf der Strecke an möglichst vielen Dönerbuden vorbeigefahren. Die hatten allerdings um kurz nach elf alle zu.
Nächster Gedanke: Die Tankstelle. Nachtschalter.
Vielleicht anderthalb Meter vor der Schiebetür bremste Dara ab und fragte mich, ob ich Öffnungszeiten sehe.
„Nö, die haben zu.“
„Steig aus und guck mal nach.“
„Die haben zu, glaub’s mir.“
Dara fuhr ein Stück zurück und hielt direkt neben dem Nachtschalter. Wie beim Drive-In ließ sie die Scheibe runter, der Typ schaute uns verdutzt an.
„Ja?“
„Hallo, habt ihr noch auf?“
„Nur den Schalter hier.“
„Habt ihr Essen?“
„Was wollt ihr denn?“
„Dodo?“
„Chinanudeln?“
„Nee, das haben wir nicht. Aber Pizza.“
„Dann einmal Pizza bitte.“
Er verschwand kurz im hinteren Teil des Ladens und kam mit einer Thunfischpizza wieder.
„Fünf Euro bitte, danke.“
Das war natürlich die beste Pizza, die wir je gegessen hatten. Und das, obwohl ich eigentlich weder Pizza und noch weniger Thunfisch mag.

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