Babylonische Sprachverwirrung

„Sag mal, was sprechen die da für eine Sprache?“
„Doreen, das ist Dialekt.“

Ich muss zugeben, mit Dialekt komme ich einfach nicht klar. Entweder finde ich für Ausdrücke keine logische Übersetzung oder ich verstehe schon rein akustisch nichts. Da kommt dann nur ein Singsang bei mir an, den ich nicht in einzelne Worte zerlegen kann.
Früher waren meine Schwester und ich uns einig, dass München in einem anderen Land liegt: „Servus meine Liabn, wia gäd’s eich? Hattet ihr a guade Reise? Hobts ihr Hunga? Es gibt Wiana Würstl mid Kartofflsalod, mögts ihr des?“ Mittlerweile verstehe ich meine Oma zwar, vielleicht redet sie aber auch einfach mehr Hochdeutsch, wenn ich zu Besuch bin. Bei manchen Verwandten ist das allerdings immer noch eine Challenge, auf Anhieb zu verstehen, was sie gesagt – und hoffentlich nicht gefragt – haben.

Nun wohne ich hier, wo wirklich viel Dialekt geredet wird. Die meisten Kommilitonen und Freunde bemühen sich zwar, mit mir auf Hochdeutsch zu reden, aber manchmal komme ich beim Gespräch nicht mehr mit und frage mich, wann denn das Thema gewechselt wurde. Irgendwann versuche ich nur noch irgendeinen Faden zu finden, doch so einfach ist das gar nicht. Man sieht es mir leider an, wenn ich nicht mehr verstehe worum es geht. Dann wird erst gelacht, weil ich wohl so hilflos schaue, und nachher übersetzt.

Am Anfang ist mir das im Brauhaus auch immer so schwer gefallen herauszufinden, was man von mir wollte.
„Können Sie mich mal abziehen?“
Und nur weil er mir einen Fünfziger unter die Nase hielt, konnte ich mir denken, dass er bezahlen wollte. Später hatte ich dann eine Kollegin gefragt, ob ich denn richtig gelegen hatte und sie musste bloß sehr lachen.

„Ich weiß gar nicht welchen Kurs ich holen soll.“ Das hat mich am Anfang sehr irritiert. „Soll ich dich mitholen?“ Für mich war das eine Wortverbindung, die keinen Sinn ergeben hat. C. muss immer lachen, wenn ich ihr davon erzähle, was mich alles so wundert. Wenigstens bin ich nicht die einzige, die von weiter her kommt und nicht direkt alles versteht. Meine andere Freundin C. meinte auch neulich zu mir: „Ich muss manchmal echt dreimal nachfragen und habe immer noch nicht alles verstanden, dann nicke ich und hoffe, dass es keine Frage war.“ Auf der anderen Seite aber kommt hin und wieder ein Wort Dialekt selbst in meinem Sprachgebraucht vor: „Ei jo, der A. hat uns mit dem Auto mitgeholt, sau gut.“ Da kriegt P. immer zu viel und schreibt zurück: Du kriegst den Dialekt, hör auf damit! Und ich bemühe mich, eine Weile auf ihn zu hören.

Es ist einfach grundsätzlich so mit dem Dialekt und mir, dass ich es nicht schlussfolgern kann, was gemeint ist. L. redet von „Viertel acht“ und meint viertel nach sieben. Mit der badischen Vesper konnte ich auch eine Zeit lang nichts anfangen. Und „Kannst du mal die Tür heben“ finde ich nach wie vor unlogisch.

So langsam wird es aber mit dem Dialekt und mir. Zum Glück ist es für die meisten kein Problem und sie müssen nur ein bisschen lachen bevor sie Halbhochdeutsch reden.

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Ein Kommentar zu „Babylonische Sprachverwirrung

  1. Klasse – den genau so ist es….
    Einer meiner frueheren Mitarbeiter sagte mal zu mir :“ Die Buerotuer ist lose „….
    Der Hausmeister, den ich gleich beauftragt hatte, konnte nur feststellen, dass sie nicht abgeschlossen war….HaHa

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